Tolle neue Werbewelt – bald verfügbar

Derzeit läuft eine neue, richtig beschissen dämliche Werbung für Visa. Das Kernstück, auf das hingewiesen wird, ist das kontaktlose Bezahlen mit der Visa Karte. Liest man aber das kurz eingeblendete Kleingedruckte steht dort der Hinweis, dass kontaktloses Bezahlen in Deutschland “bald möglich” sein wird.

Anders gesagt ist alles was man gezeigt bekommt Zukunftsmusik und kommt irgendwann, aber nicht heute. Mir wäre jedenfalls nicht bekannt, dass Visa bereits mit deutschen Einzelhändlern Verträge hätte. Groß angekündigt ist kontaktloses Bezahlen aber schon seit kurz nach der Jahrtausendwende als das “nächste große Ding” in dem Sektor.

Am Ende bleibt eine Werbung, die eigentlich gar keine Aussage hat und der einzige Fitzel Information, der drin vorkommt, ist auch noch falsch und es gibt nur einen winzigen Hinweis. Wo sind wir hingekommen, wenn so etwas funktioniert?

Dieses ganze Geschwätz über den gläsernen Bürger…

… stimmt vermutlich: Ars Tecnica als nahezu beliebige Quelle

Ein paar Details passen nicht. 20 Millionen Dollar im Jahr scheint mir kostenmäßig überhaupt nicht plausibel. Ansonsten ist das aber eigentlich die Bestätigung von genau dem, was die Pessimisten, wie ich, schon seit geraumer Zeit immer wieder vermuten. Die NSA kann praktisch den gesamten Datenverkehr frei nach Belieben überwachen, ohne irgendwelche juristischen oder bürokratischen Hürden nehmen zu müssen. Naja, doch, eine: sie überwachen offiziell nur Ausländer, aber wenn man deren Kontakte über zwei Grade folgt dürfte kaum ein US Bürger nicht indirekt verfolgbar sein.

Die Frage die sich jetzt stellt ist, wie die Bevölkerung damit umgeht. Wenn das genau wie alles andere nach 1-2 Wochen im Sande verläuft kann man getrost jeden Ami auslachen, der nochmal die Freiheitlichkeit der USA hochhalten will. Die andere Frage ist die danach, wie es hier aussieht. Zweifelsohne betrifft das Deutsche kaum weniger, da wir zwar was das Internet angeht gern maulen und schimpfen, aber keinerlei Innovation kommt – weswegen Lieschen Müller bei Facebook ist und von Amazon kauft.

Brave new world!

 

 

Mohawk Indianer ist!

Aside

Manchmal bemerkt man Kleinigkeiten des Alltags, die einen trotz ihrer offensichtlichen Bedeutungslosigkeit faszinieren und deren Geschichte man gerne erfahren würde…

"Peter, wir brauchen noch irgend einen kurzen Claim für die Frontside." "UGGA UGGA! MOHAWK INDIANER IST!" "Das ist toll! das klingt wie ein echter Indianer!"

 

Hybris in und von Flaschen

Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Aber der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt. Inhalte sind der freiverfügbare Rohstoff der Online-Welt. Ungeachtet ihrer Qualität. Das ist gefährlich. Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen. (Jakob Augstein)

Wenn man soviel Dummheit, Arroganz und Ignoranz auf einmal liest fühlt sich plötzlich jede Körperöffnung wie eine unter Druck stehende Kloake an. Continue reading

Pornographie in der Werbung? – Ein teures Lehrstück zur Meinungsmanipulation

Wir hatten den Spaß ja schon bei den “Raubkopien”. Weil die meisten Leute nicht in der Lage sind Sprache bewusst zu reflektieren und zwischen der Bezeichnung und der Bedeutung einfach nicht unterscheiden können, wird versucht entsprechend belegte Begriffe zu verwenden, um die damit verbundene gefühlsmäßige Einordnung auf andere Dinge zu übertragen. Bei der Raubkopie läuft es darauf hinaus, dass man denken soll, dass dem Opfer etwas durch Gewalt weggenommen wird, es einen direkten Schaden und eine direkte Schlechterstellung erfährt. So wie bei einem echten Raub dem Beraubten hinterher etwas fehlt und der Räuber die Situation eines Anderen direkt (und durch Gewaltanwendung) verschlechtert. Nur sind halt bei Raubkopien alle Schäden nur mittelbar und grundsätzlich fiktiv und Gewalt oder Drohungen werden auch nicht gebraucht, der Beraupkopierte kann das ja idR nicht einmal feststellen!

In der EU beherrscht man solche rhetorischen Taschenspielertricks natürlich auch. Schauen wir also mal kurz in ein Dokument, dessen Erstellung vermutlich so viel Geld verschlungen hat wie alle meine Leser im Jahr zusammen nicht verdienen… Continue reading

Office 2013 – jetzt wird angestrengt zurück gerudert

Da schreibe ich noch darüber, ob keinem die Klauseln in den neuen EULAs aufgefallen wären. Gut zwei Wochen später findet das Thema seinen Weg auf heise.de, mit der gleichen rechtlichen Interpretation: http://www.heise.de/newsticker/meldung/MS-Office-2013-Lizenz-auf-Gedeih-und-Verderb-an-einen-PC-gebunden-1805255.html

In der Zwischenzeit hat es wohl Wellen geschlagen und Microsoft rudert angestrengt zurück, so wie einst VMWare, denen ihr vRAM basiertes Lizenzmodell um die Ohren geflogen ist. Lustigerweise erwähnt heise hier aber nicht mehr, dass das für deutsche Anwender so oder so keine Bedeutung haben sollte: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Gelockerte-Lizenzen-und-mehr-Auswahl-fuer-Microsofts-neues-Office-1817792.html

Tja, der “money grab” ging wohl in die Hosen und hat wohl nur den Verkauf von Office 2010 Lizenzen angekurbelt…