Schwarzer Tee voll mit Bakterien! – Galileo deckt auf

Es ist ein schlimmer Fehler, aber er passiert mir immer wieder. Nach den Simpsons schalte ich den Fernseher nicht ab. Der Kopf widmet sich längst anderen Dingen und die Berieselung wird ausgeblendet. Ein fataler Fehler, denn danach kommt der Bodensatz der sogenannten „Wissensmagazine“ – Galileo.

Auch in tiefster Konzentration reagiert das Unterbewusstsein zielsicher auf gewisse Reizworte. Dank der durchweg seriösen, faktenorientierten und ausgewogenen Berichterstattung in praktisch jedem Medium gehört „Bakterien“ auch zu diesen Reizworten.

Und so habe ich also vor ein paar Minuten erfahren, dass schwarzer Tee Bakterienkulturen enthält, die helfen, so etwas wie Discostempel von der Haut abzuwaschen. Dazu muss man den Tee mit kochendem Wasser übergießen, ein paar Minuten ziehen lassen und kann sich dann den Beutel auf die Hand legen. Die Bakterien helfen dann, die Tinte zu entfernen.

Die unglaubliche Dummheit dieser Aussage muss man sich erst mal klar machen. Der Tee wird mit kochendem Wasser übergossen. Natürlich gibt es Bakterien, die auch weit mehr als 100°C aushalten, aber das sind eher Ausnahmen. Und wenn man inhaltliche Kohärenz fordert, sollte die empfohlene Temperatur ja auch die Vermehrung fördern, nicht nur irgendwie überstanden werden. Jetzt wird Tee dazu auch noch getrocknet und die Lagerdauer, bis er irgendwann verzehrt wird, variiert sehr stark. Das sind keine guten Bedingungen für ein Lebensmittel, bei dem Bakterien eine zentrale Rolle spielen.

Wie kommt man zu so einer komplett wirren und schwachsinnigen Aussage?

Ich will es gar nicht wissen. Aber das so etwas in einem „Wissensmagazin“ gesendet wird, und Fehler dieser Art sind in dem Genre verdamm häufig, spricht Bände über den Zustand des Fernsehens und seiner Zuschauer. Und wer sich jetzt denkt „nein, Privatfernsehen!“, der hat keine Ahnung wie unangenehm nah die öffentlich-rechtlichen an dieses Niveau schon gekommen sind.

Security Shield – Malware mit Ladehemmung?

Da googelt man nichtsahnend nach einem DB2 Fehlercode, klickt eines der Googleergebnisse an und schwupps, sieht man das:

Eine russische URL und „Security Shield“ sagen eigentlich alles: Scareware. Praktischerweise war das eine VM und auch keine wichtige. Also fix hart ausgeschaltet, dann kann man sich das in Ruhe anschauen.

Danach die virtuelle Festplatte an ein anderes System drangehängt und den Werkzeugkasten gezückt. Die Sysinternals Suite ist wirklich Gold wert. Erstaunlicherweise meldete Autoruns keinen einzigen obskuren Eintrag. In %userprofile%\AppData\local lag aber eine exe mit dem passenden Logo, die da garantiert nicht hingehört. Hat sich das Ding etwa etwas geschickter eingeklinkt, als über einen schnöden Autostarteintrag in der Registry? Machen wir einen Snapshot von der VM, ziehen das virtuelle Netzwerkkabel und starten sie durch.

Der nächste Griff in den Werkzeugkasten geht natürlich in Richtung Process Explorer. Ich hatte mich ja schon darauf eingestellt, ein bisschen herausgefordert zu werden. Beim Start gab es jedenfalls keine Popups oder sonstige Hinweise aus Scareware. Der Process Explorer zeigt auf den ersten Blick auch nichts Verdächtiges. Auch in den Dienstprozessen sind keinerlei ungewöhnliche oder unsignierte Sachen versteckt. Ist das Ding richtig geschickt oder ein simpler Blindgänger, der es nach dem Download nicht geschafft hat, sich irgendwo zu einzuklinken?

Nehmen wir halt mal einen Systemstart mit dem Process Monitor auf. Nichts verweist irgendwie (direkt) auf die exe. Sehr merkwürdig. Gibt es vielleicht irgendwelche unsignierten DLLs im Windowsverzeichnis oder geplante Tasks, die mit der Malware zu tun haben könnten? Nein.

Schmeißen wir also die exe runter, reinigen die üblichen Verzeichnisse und starten neu. Erstaunlicherweise bleibt alles verschwunden. Schmeißen wir also Google an, nur für den Fall, dass hier jemand tatsächlich richtig schlau war. Scheint nicht so zu sein. Security Shield ist wohl klassische Wald- und Wiesen Scareware, die irgendwo ihre exe hinwirft und sich dann über den Run Schlüssel des Userzweigs startet.

Hmm. War wohl tatsächlich ein Rohrkrepierer. Immerhin, wenn ich nichts übersehen habe – ausschließen kann man das praktisch nie – wäre das die erste ungewollte Malwareinfektion seit rund 15 Jahren gewesen.

Diebstahl – besser im Laden als im Netz und inhaltlich niemals von Journalisten

Nehmen wir uns mal die folgende Meldung von heise vor: http://heise.de/-1634998

Es geht um das Ausmaß von Diebstahl im Einzelhandel. Der erste Fehler, die vermutlich blinde Übernahme des englischen Dezimalpunktes, ist bereits behoben. So werden jährlich also doch nur Waren im Wert von etwa 5% unserer Staatsverschuldung geklaut – und nicht dem 57-fachen. Aber die Zahl „119,092 Milliarden“ ist schon interessant. Man will das also global auf etwa eine Million genau angeben können. Hier werden wieder Nachkommastellen berechnet, die keinerlei Basis haben können. Die Angabe auf eine Million genau wäre bereits in Deutschland unhaltbar, da aber von „weltweit“ die Rede ist, muss man aber eigentlich erwarten, dass auch Länder erfasst sind, bei denen ein Großteil der Händler gar keine ordentliche Inventur vornehmen. Aber was soll das, am Ende steht, wie wackelig die Basis wirklich ist:

Für die Studie wurden insgesamt 91 Einzelhandelsunternehmen mit zusammen über 14.000 Verkaufsstellen befragt

Vermutlich hat man das auch blind anhand der Umsatzverhältnisse hochgerechnet. Die Hemmschwelle eine Filiale einer großen Kette zu bestehlen ist natürlich auch die selbe, wie einen Tante Emma Laden zu beklauen. Der nächste Hund ist auch schnell ausgebuddelt.

Der deutsche Einzelhandel […] jährlichen Inventurdifferenzen von 3,8 Milliarden Euro zu kämpfen. […]

Statistisch gesehen erbeutet jeder Haushalt Waren im Wert von 50 Euro jährlich wodurch ein Schaden von 6 Millionen Euro täglich entstehen soll.

Aha. So krumm wie das hier kann keine Banane sein. Wie viele Haushalte gibt es denn, wenn 3.8 Milliarden etwa 50 Euro pro Haushalt ergeben? Na rund 80 Millionen! Eine Bilderbuchfamilie sind also 4 Haushalte. Oder hat man vielleicht nur die 51% der Diebstähle von Kunden umgelegt, so dass man eine der Haushaltsdefinitionen mit rund 40 Millionen getroffen hat? Das wäre aber genauso krumm, da die Diebstähle von Mitarbeitern auch den Haushalten zugeschlagen werden müssten, womit aber deutlich mehr als 50 Euro herauskommen müssten.

Noch krummer wird es, wenn man der Aussage mit den 6 Millionen nachgeht. Bei 365 Tagen sind das 2,19 Milliarden, also rund 58% der Gesamtsumme der Diebstähle. Bei 300 Tagen im Jahr sind es 1,8 Milliarden. Also hat man wohl nur die Diebstähle der Kunden auf die Haushalte umgelegt, nicht aber die der Angestellten. Komisch.

[…] Kriminalstatistik […] Dunkelziffer von 98 Prozent […]

Und somit wird der Kunde bei jedem Kauf mit über 1 Prozent des Kaufpreises an den Schäden beteiligt.

Aha. Also nur etwa jeder fünfzigste Diebstahl kommt zur Anzeige. Da dürfte bei mäßigem Geschick ja so schnell nichts schief gehen. Außerdem ist es bis etwa 35 Euro ja noch ein Nullsummenspiel, weil so viel in etwa auf jeden Haushalt umgelegt werden muss. Man würde sich also nur direkt zurückholen, was einem indirekt durch andere Ladendiebe und höhere Preise selbst gestohlen wird. Dazu kommen die vielen Vorteile, falls es doch mal schief geht. Ladendiebstahl ist immer noch ein „Kavaliersdelikt“, gesellschaftliche Missachtung folgt so gut wie nie, und man kommt beim ersten Mal in der Regel mit einer milden Geldstrafe davon. auch die Schadenshöhe ist normalerweise unstrittig. Der verursachte Schaden ist das, was man hat mitgehen lassen.

Vergleichen wir das mal mit Filesharing. Glaubt man den Hochrechnungen von Leuten wie Thomas Stadler, gibt es hunderttausende Abmahnungen pro Jahr in Deutschland. Ob da die Chance nicht erwischt zu werden ähnlich niedrig ist, kann man auf der Basis bezweifeln. Dazu kommt, dass dort immer gleich tausende oder zehntausende Euro Schaden im Raum stehen. Der Gegenwert liegt aber meistens nur in der Größenordnung von ein paar Euro, die der legale Erwerb als CD oder Download kosten würde. Ne, Ladendiebstahl ist viel attraktiver als Filesharing. Wenn man also unbedingt die neuste Mucke und die neuesten Filme haben will, sollte man also bei der Wahl der Beschaffungskriminalität lieber seine Gadgets klauen und das so gesparte Geld zum Kauf von Filmen und Musik nehmen, als die zu klauen. Oder lieber echte CDs und Blurays klauen, anstatt irgendwelcher Rips. Aber Vorsicht: Klauen und Verkaufen ist schon wieder Hehlerei, damit geht die Rechnung nicht auf.

Was lernen wir also als Fazit?

1. Klauen mit direktem Schaden lohnt sich vermutlich eher, als die unerlaubte Vervielfältigung urheberrechtlich geschützter Werke, bei der es nur mittelbar Geschädigte gibt.

2. Journalisten sind entweder dumm, winken Pressemeldungen ohne genauere Betrachtung einfach durch, oder beides. Ja, der gute alte Qualitätsjournalismus. Wird sicher mit dem Leistungsschutzrecht besser…

Endlich mal ein richtig intelligentes Video – ähm, Moment…

Aside

Die Saga des unter mittlerem Realitätsverlust leidenden, irren Anwalts und seiner vollständig irren Gattin geht weiter. Nach noch unbestätigten Gerüchten hat seine Frau mittlerweile eine Anstellung in einem Kraftwerk gefunden, wo man für sie eine 3MW Turbine mit einem Rad ausgestattet hat, an dem sie drehen kann.

In der Zwischenzeit hat Carreon seine Klage vorerst zurückgezogen. Aber nein, das war es noch nicht. Die fürchterliche Attacke auf seinen guten Ruf hat ihn und seine Frau dazu veranlasst, zurück zu schlagen die angefangene Arbeit selbst zum bitteren Ende zu führen.  Continue reading

Bautrocknung hat auch Vorteile…

Eigentlich hat das Haus ein kleines und ein mittleres Badezimmer. Zu Beginn der Trocknung wurde dann aus dem mittleren Badezimmer ein Dampfbad, weil aus den Wänden erst einmal mehr Feuchtigkeit kam, als der Kondenstrockner aus der Luft saugen konnte. Mittlerweile ist es eine Biosauna, mit gut 40°C und staubtrockener Luft.

Auch in der Küche kann man der Situation etwas Positives abgewinnen. Wenn man etwas verwinkeltere Gegenstände in der Spülmaschine hat, reduziert das Trocknungsgebläse, zusammen mit dem Kondenstrockner, die Wartezeit von „gut einem Tag“ auf „gut eine Stunde“.

Na, wer erkennt welche drei Tastaturen da ein Bad genommen haben?

Zu meinem Erstaunen scheint die Dimensionierung der unteren Etage übrigens auf genau diesen Einsatzzweck optimiert zu sein. Die Tiefe passt haargenau und auch der Abstand der Zinken ist optimal.

Route ins Nichts – ein Microsoft-iSCSI Märchen

Eigentlich hat sich meine Einstellung zu Microsoft und deren Produkten in den letzten Jahren stark gewandelt. Anstatt solchem Müll wie Windows 95 machen sie seit Vista wirklich brauchbare Betriebssysteme und auch der Rest ist nicht schlecht. Den MSSQL ziehe ich Oracle oder vor allem DB2 (ich hasse DB2!) vor und Exchange ist auch ein richtig feines Stück Software. Lync ist auch… ich schweife ab!

Bei ihrem iSCSI Initiator haben sie aber an einer Stelle richtig ins Klo gegriffen – und mich fast einen kompletten Arbeitstag gekostet. Zu allem Überfluss wird das aber noch mit der alten „it’s a feature“-Masche verkauft. Wie in den alten Zeiten, als MS dafür bekannt war, mit unglaublicher Arroganz nur Müll zu verschleudern… Continue reading