Professionell heißt nur, das jemand dafür bezahlt V – Handwerk mit doppeltem Boden

Das in Deutschland so vielgelobte Handwerk ist etwas, mit dem ich selbst noch nie Glück hatte. Etwa die Hälfte meiner Kontakte mit den gut ausgebildeten Fachkräften waren nicht ernüchternd, sondern teilweise einschüchternd. Das ist nicht übertrieben. Ich hatte wirklich fast immer Pech und habe sehr, sehr oft Leute erwischt, die entweder nur Pfusch abgeliefert haben oder Pfusch abgeliefert haben und so dumm waren um es nicht zu merken.

Letztes Jahr hat es mich wieder erwischt. Diesmal war es eine Installations-Frickelbude, die vermutlich Kasse, statt ihrer Arbeit, machen wollte.

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Der Kapitalismus fängt an, an seinen Kindern zu nagen

Man sagt ja gerne, dass – wenn man politisch lange genug nach links wandert – man am Ende rechts wieder rauskommt. Das ist die Vorstellung von politischer Ausrichtung als einer Art zyklischer Gruppe, die mir so falsch nicht zu sein scheint. Allein die Frage nach dem erzeugenden Element scheint mir nicht so ganz klar beantwortet. Ich glaube allerdings, dass es mit Kapitalismus und Sozialismus ähnlich aussieht und man bei genug Kapitalismus der Form, wie sie in Mode ist, man wieder in einer Art abstrusem Sozialismus landet.

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Sülzwurst im Rauchmantel

Wenn ich „Professor der Wirtschaftsinformatik“ höre gehen bei mir die Alarmglocken an. Erfahrungsgemäß gibt es nur extrem wenige Fälle, in denen solche den Mund aufmachen können, ohne dass mir die Kinnlade runterfällt und die Hand an die Stirn wandert. Bei diesem hier und seinem Gastbeitrag im law blog, dass ich für die BILD unter den juristischen Onlineblogs halte, ist es nicht anders.

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„Ich nehme diesen Preis nicht an!“

Marcel Reich Ranicki ist tot. Und was ich mit diesem Mann verbinde ist, als mäßig intellektueller Zeitgenosse, der nur knapp ein Fünftel seines literarischen Kanons, und nicht immer freiwillig, gelesen hat, vor allem seine Ablehnung des deutschen Fernsehpreises für sein Lebenswerk. Daher war mein erster Gedanke nach der Meldung auch der daran, wie Reich Ranicki in seinem Schlafzimmer von einem Mann in einer dunklen, weiten Kutte besucht wird, dem er, als er die Hand nach ihm ausstreckt, sagt: „Ich nehme diesen Preis nicht an!“.

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Der Innovationspreis der Gesellschaft für Informatik – Satire?

Mit der Gesellschaft für Informatik habe ich mich noch kaum beschäftigt, aber durch irgend etwas, dass ich gut fände, sind die mir noch nicht aufgefallen. Jetzt haben sie wieder irgend einen dümmlichen Innovationspreis vergeben der eigentlich nur zeigt, dass wir hier keine Innovation haben.

Die tolle Wurfkamera ist, so weit ich das ersehen kann, nennenswert jünger als eine Menge vergleichbarer Ideen. Als Beschleunigungssensoren für die Bastelmikrocontroller à la Arduino verfügbar wurden, haben ziemlich schnell die ersten Leute Kameras in irgend etwas Weiches gepackt, an den Auslöser einen Mikrocontroller mit Beschleunigungssensor gehängt und dann an ausgelöst, wenn das Ding ungefähr seinen höchsten Punkt hatte. Gleich eine ganze Hand voll Kameras einzubauen ist natürlich nett, aber den Schritt will ich nicht Innovation nennen, wenn das eigentliche Prinzip bereits von Hobbyisten benutzt wurde.

Der Hammer ist aber Tinnitracks. Um bestimmte Frequenzen aus Musik zu filtern benutzt man jetzt keinen billigen, programmierbaren DSP mehr als Equalizer und schreibt nicht einfach eine App für das Smartphone. Nein, um MP3s bestimmter Frequenzen zu berauben schreibt man auch keine Software, die sie kurzerhand lokal umwandelt – das wäre viel zu simpel. Man muss den ganzen Kram in die Cloud laden und kann dann die bereinigte Musik herunterladen.

Warum macht man so eine Scheiße? Na, klar, weil man so den Leuten für die Funktion eines Centbauteils oder einer Standardfunktion jedes Shareware Audioeditors richtig tief in die Tasche greifen kann. Über 500 Euro im Jahr für einen Equalizer.

Und ja, meine Damen und Herren, dafür gibt es einen Innovationspreis der Gesellschaft für Informatik. Bei den Ansprüchen möchte man fast an den Fachkräftemangel glauben.

Selig sind die, die da geistig arm sind

Eines der schönen Dinge am Internet ist, dass man fast ohne Aufwand Einblick in Subkulturen und Branchen gewinnen kann, mit denen man sonst kaum in Kontakt kommt oder die man lieber gleich meiden würde. Zu letzteren zählt eindeutig die Gruppe der Großstadtkinder, die in ihrem Leben noch nie einer vernünftigen Tätigkeit nachgegangen sind und ihre Zeit damit verbringen sich gegenseitig zu bestätigen wie toll sie sind und in ihrer, meist von den Eltern fremdfinanzierten, Blase der Überheblichkeit glauben, dass ihre Geistlosigkeiten für die Welt wertvoll seien, nur weil sie in ihrer Einfalt nichts anderes kennen. Ja, ich spreche von dem, was man heute den gemeinen Hipster nennen könnte. Bildblog führte mich da kürzlich auf einen Artikel, der einen Einblick in das Denken und die Selbstwahrnehmung der „Kreativen“ in Berlin bietet, der aus meiner Sicht Abgründe aufzeigt. Er handelt von „Armut als Lebensstil“ und beschreibt die „prekäre“ Situation der eigentlich nur geistig Armen, die irgendwie so ihr Leben in Berlin bestreiten.

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Endlich bin ich ein Opfer! – Ach nein, der Brechreiz vergällt mir das Suhlen im Selbstmitleid wieder…

Die FU Berlin kassiert derzeit eine Menge Prügel für ihre didaktischen Empfehlungen bzgl. der Realisierung von Chancengleichheit. Eigentlich wollte ich mich ja freuen, weil ich endlich auch ein Opfer bin und jammern kann wie schlecht die Welt ist, nachdem ich normalerweise als weißer, heterosexueller Mitteleuropäer immer der böse bin. Ich habe nämlich studiert ohne einen einzigen mit mir verwandten Akademiker zu kennen – als Kind einer alleinerziehenden Mutter! Aber nein, ich kann mir diese Scheiße einfach nicht schönreden. Bereits die ersten zwei Absätze sind ein Lustspiel der Erbärmlichkeit, wie man es selten zu sehen bekommt. Continue reading

Hybris in und von Flaschen

Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Aber der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt. Inhalte sind der freiverfügbare Rohstoff der Online-Welt. Ungeachtet ihrer Qualität. Das ist gefährlich. Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen. (Jakob Augstein)

Wenn man soviel Dummheit, Arroganz und Ignoranz auf einmal liest fühlt sich plötzlich jede Körperöffnung wie eine unter Druck stehende Kloake an. Continue reading