Neues Spielzeug – diesmal wieder mit Tasten

Informatiker ohne Laptop? Ja, das gibt es. Da ich in letzter Zeit sehr viel echte, aufrichtige Arbeit leisten musste und ansonsten für Unterwegs und „Meetings“, früher auch Besprechung genannt, nur einen Notizblock brauchte, bin ich für rund 2 Jahre fast komplett ohne Klapprechner ausgekommen. Nur ganz selten kam der alte TC 4400, mit Core 2 CPU, zum Einsatz – und dann meist wegen der seriellen Schnittstelle am Dock. Jetzt brauche ich aber doch wieder etwas, das unterwegs ein klein wenig über einen Notizblock hinausreicht und habe also Spielzeug angeschafft…

Wie praktisch das Vivotab Note 8 tatsälich ist habe ich wieder gemerkt, als ich heute unterwegs war und mir überlegt habe, kein ganzes Laptop zu brauchen. Das Ding verschwindet fast komplett in der Manteltasche und man fühlt sich fast nackt, wenn man ganz ohne jede Tasche hinter sich die Haustür zuzieht. Aber so hilflos fühlt man sich dann auch, wenn man ohne richtige Tastatur längere Texte tippen will oder die Kombination aus Browser und praktisch jeder anderen Software an die Grenzen von 2GB RAM und dem Atom stößt.

Was kaufen?

Also habe ich mir als erstes mal einen Überblick darüber verschafft, was der Markt an tragbaren Rechnern so hergibt. Kernanforderungen waren eine ordentliche Tastatur, ein ordentlicher Bildschirm (IPS, hell, arbeitstaugliche Auflösung), klein und genug Saft für einen normalen Tag im Akku. Meine Notfalloption wäre ein Macbook Pro gewesen. Notfall, deswegen weil ich den Preis ziemlich abstrus finde. Zum Glück gibt es mittlerweile eine ganze Menge Windowsbüchsen, die ordentliche Displays und Akkulaufzeiten haben. Neben dem neuen XPS 13 gibt es ja bspw. das Thinkpad X1 Carbon. Aber bei den meisten Geräten war dann doch immer irgendeine Kleinigkeit, die nicht passen wollte. Sowohl XPS als auch X1 sind hinsichtlich der Akkulaufzeit an der unteren Grenze dessen, was ich wollte, dafür aber preislich nicht so weit vom Macbook weg. Dann gäbe es da noch die eine oder andere Version der Yoga-Thinkpads. Aber da war es dasselbe Spiel.

Dann bin ich durch Zufall über das Thinkpad Helix 2 gestolpert, das aber dummerweise nur eine Core-M CPU hat, die wohl doch merklich unter den normalen „Ultrabooks“ rangiert, und dazu noch fast so viel kostet wie ein Macbook. Der Vorgänger allerdings sah interessant aus. 11,6″ mit 1920×1080, insgesamt 70Wh Akku, Display kann man abreißen und als großen Notizblock nehmen, Lenovo Tastatur… Hmmm. Als ich dann festgestellt habe, dass einer der Händler meines Vertrauens die Dinger gebraucht für Preise vertickt, bei denen man 3-4 für den Preis eines Macbooks bekommt, habe ich zugeschlagen.

Sind das gleich zwei Mac-Tastaturen? AUFGENOMMEN MIT MEINEM WINDOWS PHONE!

Papa hat den Kleinen auf dem Schoß

Taugts?

Einige Dinge wusste ich dank gründlicher Recherche im Vorfeld schon. Wenn man nicht bereit ist irgend ein Lüftersteuerungstool zu installieren, dann bläst das Ding den halben Tag lang mit seinen Lüftern umher, obwohl es nicht einmal handwarm ist. Und einige Leute haben wohl massive Probleme damit, dass das Ding sehr heiß werden kann. Tatsächlich ist die Lüftersteuerung der originalen Firmware grauenvoll. Für ein Gerät, das mal gut 1800 Euro kosten sollte ist es völlig absurd, dass es selbst jetzt noch keine Firmware gibt, die das vernünftig regelt. Und ja, die Lüfter sind sehr klein und klingen auf der ersten Stufe erträglich und auf jeder höheren Höhe richtig schlimm. Dank Thinkpad Fan Control habe ich sie aber schon lange nicht mehr gehört und wenn überhaupt, dann nur sehr kurz auf der niedrigsten Stufe. Und auch die Probleme mit der Hitzeentwicklung kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ja, das Ding wird um die CPU warm, aber anfassen hätte man es auch nach den zwei Stunden Softwareinstallationen noch können.

Eine Art Treppenwitz des Produktdesigns sind die beiden ausziehbaren Plastiktäfelchen an der Portseite des Tablets. Weder die Tastaturbasis noch das Tablet haben einen SD-Slot, aber das Tablet hat gleich zwei Plastiktafeln zum Ausziehen, auf denen nur irgendwelche FCC Codes stehen. Beide so groß wie eine SD-Karte. Auch nicht so richtig klar ist mir, warum das Tablet selbst nur USB 2.0 Anschlüsse hat, die Tastatur aber USB 3.0. Gut, dass mir beides wurscht ist.

Dafür ist mir etwas aufgefallen, was in diversen Produkttests bemängelt wurde. Die Tasten sind halb ins Gehäuse eingelassen und angeblich soll vor allem die Powertaste ganz schlimm zu bedienen sein, weil man dazu den Fingernagel nehmen müsse. Nö. Die Tasten lassen sich alle bedienen, wenn man einfach flach mit dem Finger draufdrückt. Aber die Powertaste reagiert nur, wenn man sie länger als eine knappe Sekunde drückt. Weiß man das nicht, dann kann man durchaus glauben, dass sie kaputt ist.

Dafür stört mich etwas, das ich nocht bemängelt gesehen habe. Das „gebrauchte“ Gerät hier ist praktisch neu. Es hat alle sichtbaren Spuren irgendeiner Benutzung erst von mir bekommen. Und nach jetzt 2-3 Wochen herumtragen in einer Ledertasche, die überhaupt nur alle paar Tage Wege mehr als 30m wirklich getragen wird, sehen die Kanten schon so aus, dass ich die Prognose wage, dass das Gerät nach einem Jahr recht benutzt aussehen wird. Passt aber zum Abschreibungszeitraum…

Bei dem Mechanismus zum Entriegeln des Tablets bin ich mir noch nicht so sicher, was ich davon halten soll. Das Oberkante des Bildschirms hat etwa einen Zentimeter Spiel in seiner Halterung, was aber wirklich nicht stört. Man merkt es eigentlich nur beim Zuklappen. Ob aber die Konstruktion mit den Haltehaken wirklich problemlos mehrere Jahre übersteht wird man sehen müssen. Aber er funktioniert einfach, ist nicht fummelig und man kann problemlos völlig blind das Tablet in der Tasche abdocken und herausziehen. Andocken geht auch, erfordert aber entweder Sichtkontakt oder zwei Hände. Es ist wohl kein Zufall, dass Microsoft für das Surfacebook einen sehr ähnlichen Mechanismus gewählt hat.

Alles in allem bin ich aber sehr zufrieden, vor allem angesichts des Preises. Wirklich überrascht hat mich das Trackpad. Es ist immer noch deutlich schlechter als das, was man bei Apple bekommt, aber im Gegensatz zu den ganzen früheren Touchpads kann man es wirklich benutzen. Und es gibt ja noch die kleine rote Klitoris…

Moment mal, das Foto…

Ja, es läuft Windows auf der Büchse. Ich habe es mit Linux aufrichtig versucht, aber für die eine Killeranwendung, die mich auch bei dem Notizblock noch bei Windows hält, gibt es keinen tauglichen Ersatz: OneNote. Und hinzu kommt, dass Touchscreenbedienung unter Linux noch deutliche Tücken hat. Zwar finde ich einige der Dinge unter Gnome 3 total cool, bspw. 3-Finger-Pinch für die Fensterübersicht und Suche oder 4-Finger-Wischen für Desktops, und hätte die gerne unter Windows, aber viele grundsätzliche Dinge funktionieren einfach nicht ordentlich. Bei allen möglichen Programmen funktioniert dieses oder jenes nicht richtig, bspw. scrollen in Firefox.

Ja, mein Desktop ist mittlerweile fest in der Hand von Fedora, die Spielzeuge werden aber wohl vorerst doch noch bei Windows bleiben. Hoffentlich tut sich da in der nahen Zukunft etwas.

2 thoughts on “Neues Spielzeug – diesmal wieder mit Tasten

  1. Hui, ein Thinkpad. Das sind schon immer noch recht nette Geräte. Wenn ich mit einem Klapptisch arbeiten könnte, würde ich mir vermutlich auch sowas zulegen – zumal um diesen Preis.

    So aber bleibe ich bei meiner exaltierten Hipster-Schwanzverlängerung, die auch unter Linux 8 Stunden durchhält und alles unterstützt was ich so brauche. Das ist indes nicht sehr viel, weil ich – wie geschrieben – nicht mit dem Teil arbeite, sondern nur ein bissl ssh-Admin und Mail-Wichtigtuerei spiele. Da ist es dann auch wurscht, dass ich die grandiose Auflösung des Displays nicht nutzen kann, weil ich mittlerweile nicht mehr gut genug sehe…

    Insofern ist es bei mir auch komplett egal, welches System darauf läuft, weil ich da eh keine relevanten Daten abspeichere. Da ginge sogar Windows oder MacOS. Das auf dem HP installierte Windows 8.1 allerdings hat sich – ohne dass ich jemals irgend etwas installiert oder auch nur benutzt hätte – allein durch konsequentes Auto-Updaten so weit zerstört, dass auch die MS Knowledge Base nur mehr eine Neuinstallation vorschlagen wollte. Naja, hab ich halt jetzt eine Partition für Plasma5 frei bekommen.

    Ich wünsche Dir jedenfalls viel Freude mit dem Kleinen…

  2. Ja, sie sind recht nett. Früher waren sie mal über jeden Zweifel erhaben. Ich trauere den IBM-Zeiten da ein wenig nach. Mit den alten konnte man jemandem bewusstlos schlagen und hatte höchstens Flecken am Gerät, heute wäre das dann ein Garantiefall. Hätte es das Ding hier nicht so spott billig gegeben…

    So richtig hart arbeiten werde ich mit dem Ding hier auch nicht, aber so etwas wie IntelliJ muss eben mal kurz aufzumachen sein, zumindest für kleinere Dinge. Auf Dauer sind auch meine Augen nicht mehr für 1920×1080 auf 11,6″ geeignet. Wenn ich mich recht entsinne gab es das Spectre ja auch mit QHD-Auflösung. Da wäre bei mir auch Schluss und ich würde wohl freiwillig irgendeine Zoomeinstellung für’s ganze System setzen.

    Genau dasselbe ist mir übrigens mit 8.1 auf dem Desktop passiert. Das habe ich als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden. Die sich nicht mehr updatende Installation ist jetzt mein virtuelles Windows und auch seit über einem Monat nicht mehr gebootet worden.

    Ich sage danke für die Wünsche. Mobile Geräte haben aber bei mir traditionell Frauennamen, seitdem mein Weib angefangen hat eines Susi zu nennen, weil ich es noch im Bett benutzt habe.

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